Einkaufswagen

Transparenz und existenzsichernde Löhne

Gepostet von Michael Pfeifer am
Transparenz und existenzsichernde Löhne

Wo ist das T-Shirt, das Du gerade trägst, hergestellt worden? Von wem und unter welchen Arbeitsbedingungen? Diese Fragen lassen sich meist nur schwer oder erst gar nicht beantworten. “Transparenz hilft dabei, Arbeitsrechtsver­letzungen in den Lieferketten der Bekleidungsindustrie zu erkennen und dagegen vorzugehen.” (Gisela Burckhardt - Femnet)

Probleme und Herausforderungen der Bekleidungsindustrie

Neben Veränderungen aus ökologischer Sicht müssen insbesondere die Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern stärker geschützt werden. Das Hauptproblem: Überstunden und Löhne unter dem Existenzminimum. Weitere Herausforderungen: Diskriminierung der meist weiblichen Textilarbeiter:innen, Unterdrückung von Gewerkschaften und gesundheitsgefährdende Zustände in den Fabriken.

Produktionsland 

Staatlicher Mindestlohn (Stand 2019/2020)

Bangladesch 

80€ 

Kambodscha

160€

China

300€

Indonesien

250€


Artikel 23 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt:Jeder Mensch, der arbeitet, hat das Recht auf angemessene und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert und die, wenn nötig, durch andere soziale Schutzmaßnahmen zu ergänzen ist.”

Nach den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte sind nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen verpflichtet, Menschenrechte zu achten und durchzusetzen.

Existenzlohn

Ein Existenzlohn ist “die Vergütung, die ein:e Arbeiter:in für eine Standardarbeitswoche an einem bestimmten Ort erhält und die ausreicht, um dem oder der Beschäftigten und seiner oder ihrer Familie einen angemessenen Lebensstandard zu ermöglichen. Zu den Elementen eines angemessenen Lebensstandards gehören Nahrung, Wasser, Wohnen, Bildung, Gesundheitsversorgung, Transport, Kleidung und andere wesentliche Bedürfnisse, einschließlich der Vorsorge für unerwartete Ereignisse.” (GLWC, Richard & Martha Anker)

In der Bekleidungsindustrie sollte es demnach einen Existenzlohn geben, der einheitlich für alle Arbeiter:innen gilt, die Erwirtschaftung innerhalb einer Arbeitswoche von max. 48h erfolgt, einem Familienlohn (2 Erwachsene und 2 Kinder) entspricht und die wesentlichen Lebensbereiche finanziell abdeckt.

Mindestlohn vs. Existenzlohn

Der gesetzliche Mindestlohn (rot) in Asien und Osteuropa ist weit unter dem geschätzten existenzsichernden Basis-Lohn (schwarz): (Saubere Kleidung)

Transparenz in Asien und Osteuropa

Asia Floor Wage

Die Asia Floor Wage Alliance (AFWA) wurde 2007 als eine von asiatischen Arbeitnehmer:innen geleitete globale Arbeits- und Sozialallianz in bekleidungsproduzierenden Ländern (wie Bangladesch, Kambodscha, Indien, Indonesien, Pakistan und Sri Lanka) und Verbraucherregionen (USA und Europa) zur Bekämpfung von Armutslöhnen, Geschlechterdiskriminierung und Vereinigungsfreiheit in globalen Bekleidungsproduktionsnetzwerken gegründet. (Asia Floor Wage Alliance)

Herausforderungen hier:

  • Wettbewerbs- und Standortvorteil durch Niedriglöhne
  • Lohnanteil eines T-Shirts liegt bei < 1% (Die Preistransparenz)
  • keine internationalen Gesetze
  • keine langfristigen Verträge

Bei einer Unternehmensbefragung zahlten 93% der befragten Unternehmen Arbeiter:innen keinen Existenzlohn. (Fashionchecker)

Warum brauchen wir mehr Transparenz?

1. Aus Unternehmensperspektive
Viele große Marken, die ihre Prozesse aus Kostengründen ins Ausland verlagern, können nicht alle Arbeitsschritte in der Lieferkette verfolgen. Transparenz ist nicht nur wichtig, um das Image und das Kundenvertrauen zu verbessern sondern auch damit Unternehmen wissen, welche Probleme existieren, wo Investitionsbedarf besteht und wer als Zulieferer praktiziert.

2. Aus Sicht der Konsument:innen
Ohne Transparenz können Verbaucher:innen kein Verständnis dafür entwickeln, wie Preise entstehen und kalkuliert werden. Umso mehr Menschen über die Arbeitsbedingungen der Bekleidungsindustrie aufgeklärt sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass diese bewusste Kaufentscheidungen treffen.

3. NGOs (Nichtregierungsorganisationen) kämpfen für mehr Transparenz. Sie verfolgen das Ziel Veränderung zu schaffen, indem sie Missstände aufdecken und Druck auf Unternehmen und Politik ausüben.

4. Sichtbarkeit, faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne für die Arbeiter:innen.

Transparenz

Fashion Transparency Index

Fashion Revolution führte vor 5 Jahren den Fashion Transparency Index ein. Das Instrument soll große Marken zu mehr Transparenz anregen und sie ermutigen, mehr Informationen über ihre Richtlinien, Praktiken und Lieferketten offenzulegen. Allerdings ist Transparenz nicht gleichbedeutend mit Nachhaltigkeit. Wenn Marken viele Informationen über ihre Richtlinien und Praktiken offenlegen, bedeutet dies jedoch nicht per se, dass sie nachhaltig oder ethisch handeln. Dennoch: Ohne Transparenz können gefährdete Menschen nicht gesehen oder geschützt werden. (Fashion Revolution)

Finde mit dem Fashion Checker der Clean Clothes Campaign heraus, welche Bekleidungs- und Schuhunternehmen ihren Arbeiter:innen einen existenzsichernden Lohn zahlen.

Allgemeine Lösungen

  • Kampagnenarbeit durch Organisation wie Femnet und Fashion Revolution
  • Politische Organisationen wie das deutsche Textilbündnis für nachhaltige Kleidung
  • Aufklärung an Schulen, Hochschulen und Universitäten
  • Informationsmaterial für Verbraucher:innen
  • Zugang zu ehrlich fair produzierter Kleidung 

Die nachhaltigste Form der Bekleidungsherstellung - Upcycling

Der konventionelle Lebenszyklus eines Kleidungsstück ist meist linear. Sobald es aufgetragen ist, Mängel aufweist oder nicht mehr gefällt, wird es entsorgt. Die Zukunft und nachhaltigere Variante ist die Kreislaufwirtschaft: Von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung, Fertigung und Handel hin zu den Kosument:innen, finden die Produkte letztendlich ihren Weg durch Recycling- oder Upcyclingprozesse zurück in den Kreislauf.

Forderungen an Politik und Unternehmen

Politik

  • Erhöhung der Mindestlöhne und Umsetzung der Arbeitsrechte in den Produktionsländern
  • Durchsetzung eines globalen Lieferkettengesetzes
  • Mangelnde Transparenz kann einklagbar gemacht werden
  • Menschenrechte müssen gestärkt werden 

Unternehmen

  • Veränderte Einkaufspraktiken 
  • Stärkere Verantwortung ggü. Arbeiter:innen und der Umwelt 
  • Transparenz und Offenlegung von Lieferanten und Produktionsfirmen sowie jährliche Berichterstattung

Zentrale Quellen: Femnet und Fashion Revolution


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